1000 Chancen für den Nachwuchs

Mit der Aktion „Ein Tag Azubi“ ermöglichen die Wirtschaftsjunioren Deutschland jungen Menschen bundesweit einen Einblick in verschiedene Berufe. In Darmstadt liegt ein besonderes Augenmerk auf jungen Migranten

ETA 2016 - Vermessungsbüro Müller

Suliman Taiyar im Außendienst mit dem Vermessungsbüro Müller

Mit leuchtenden Augen macht sich Mohamad Hebbo an die Arbeit: Aus Pflastersteinen soll er eine kleine Mauer errichten. Er reiht die weißen Steine auf, greift zum Spachtel und legt los. Nach wenigen Minuten liegt die erste Reihe perfekt. Der 25-Jährige strahlt: „Klappt gut.“

Mohamad Hebbo ist einer von sechs jungen Erwachsenen, die sich bei der Aktion „Ein Tag Azubi“ in der Ausbildungswerkstatt der Deutschen Bahn am Standort Ludwigshafen über den Beruf des Gleisbauers informiert haben. Der von den Wirtschaftsjunioren Deutschland organisierte Aktionstag lief im November bundesweit. Junge Menschen konnten dabei einen Tag lang in verschiedene Berufe reinschnuppern und den betrieblichen Alltag hautnah erleben. Die Aktion ist Teil des Projektes „JUGEND STÄRKEN: 1000 Chancen“. Dieses Gemeinschaftsprojekt von Wirtschaftsjunioren und Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt Jugendliche mit schwierigen Ausgangsbedingungen beim Eintritt ins Berufsleben. „Wir eröffnen damit Chancen für die berufliche Integration“, sagt Uwe Zahlten von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt, der zugleich die Geschäftsstelle der Wirtschaftsjunioren Darmstadt leitet.

Seniorenstift Dr.Drexler

Hadgu Kidane Lemlem im Seniorenstift Dr.Drexler

Aus der Region haben 13 Jugendliche teilgenommen, die vom Jugendmigrationsdienst (JMD) des Internationalen Bunds in Darmstadt betreut werden – sowohl EU-Bürger als auch Flüchtlinge. Alle sprechen schon gut Deutsch und haben eine Aufenthaltserlaubnis. Die Idee, diese Zielgruppe für den Aktionstag zu gewinnen, kam von Kim Burzan. „Mir war wichtig, jungen Migranten Zukunftsmöglichkeiten aufzuzeigen“, erklärt die Wirtschaftsjuniorin ihr ehrenamtliches Engagement.

Hadgu Kidane

Zugewanderte Menschen an dem Tag teilhaben zu lassen ist zudem sinnvoll, weil das Konzept der Ausbildung den meisten Migranten unbekannt ist. „Das gibt es in Syrien nicht“, sagt etwa Mohamad. In seinem Heimatland beginnen die jungen Leute nach der Schule entweder direkt mit der Arbeit im Beruf oder einem Studium. Ziel des Aktionstages ist deshalb auch, den Teilnehmern Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu bieten. „Wir wollen Jugendliche und junge Erwachsene, die aufgrund von Flucht und Migration schwierige Startbedingungen haben, gezielt auf die Chancen einer dualen Ausbildung aufmerksam machen“, erklärt Uwe Zahlten. Beim JMD Darmstadt fand die Idee sofort Anklang. Uschi Wilbert: „Für die Jugendlichen ist das eine echte Chance. Sie erhalten wertvolle Impulse zur Entwicklung von Berufsperspektiven.“

Mohamads Mauer ist nach 30 Minuten ein ganzes Stück gewachsen. Auf sein Werk ist der Probe-Azubi stolz. Inzwischen hat er auch längst von Ausbildern und Azubis erfahren, was ein Gleisbauer können beziehungsweise lernen muss: pflastern, Schienen verlegen und schwere Geräte bedienen sind da nur drei Beispiele. Am Ende des Tages ist Mohamad froh. „Jetzt kann ich mir den Beruf vorstellen.“ Klar, dass er sich bei der Bahn bewerben wird. Das hört Ausbildungsleiter Axel Marquardt gerne. „Wer sich bei uns bewirbt, hat sehr gute Chancen.“ Marquardt und seine Kollegen sind sichtlich angetan vom Engagement der Gäste. „Wir brauchen Leute, die Teamfähigkeit mitbringen und anpacken“, ergänzt Thomas Clemens, Leiter der Ausbildungswerkstatt.

Mit der Aktion „Ein Tag Azubi“ kann der Traum vom Ausbildungsvertrag wahr werden – ein Gewinn für alle Beteiligten. Das bestätigt auch Beate Borhau vom JMD: „Der Tag war ein großer Erfolg für unsere Jugendlichen, sie waren begeistert.“ Der organisatorische Aufwand hat sich gelohnt. „Wir beteiligen uns gerne am nächsten Azubi-Tag der Wirtschaftsjunioren.“