Wirtschaftsjunioren leben ehrbares Unternehmertum!

IHK-Podiumsdiskussion mit Claus Hipp, Dr. Eva Brodehl (WJDa) & weiteren Gästen

Foto:Jens Steingässer

Fairness, Disziplin und Leistung sind traditionelle Grundsäulen des Unternehmertums – und das bereits seit dem Mittelalter, als sich das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ entwickelte. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsjunioren Deutschland ist das Image heute angekratzt. Mit Blick auf die Wirtschaft und den Wohlstand haben Unternehmer in der Bevölkerung grundsätzlich einen guten Ruf. Doch wenn es um Vertrauen und soziale Verantwortung geht, wendet sich das Blatt. Die Wirtschaftsjunioren setzen diesem Trend mit Zielen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder der Investition in Bildung längst Gegenpole. Aber was sagen andere Unternehmer zu diesem Imageverlust? Die IHK Darmstadt Rhein Main Neckar veranstaltete Ende Oktober eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Unternehmer?! Ehrensache! Ein Leitbild über 150 Jahre“, an der sich die Wirtschaftsjunioren Darmstadt beteiligten. Vertreten wurden sie von der Kreissprecherin Dr. Eva Brodehl. Darüber hinaus waren namhafte Gesprächspartner wie Professor Dr. Claus Hipp, geschäftsführende Gesellschafter der HIPP GmbH, Roland Koch, Vorstandstandvorsitzender der Bilfinger SE, Dr. Alexandra Hildebrandt, Nachhaltigkeits- und Wirtschaftsexpertin, und Dr. Arne Brüsch, Vorstandsvorsitzender der Datron AG, eingeladen. Die Moderation übernahm die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, die die Gäste einem Zitat von Heinrich Heine und weiteren Leitsätzen begrüßte: „Der Kaufmann hat in der ganzen Welt dieselbe Religion.“

Ehrbares Handeln schafft Vertrauen

Das Leitbild des ehrbaren Kaufmann hat sich bereits im Mittelalter entwickelt. Anstand und Aufrichtigkeit gehören seitdem zu den unternehmerischen Grundgedanken. Durch das unredliche Handeln einzelner ist das Bild in den vergangenen Jahren in den Augen der Öffentlichkeit in eine Schieflage geraten. Es ist wichtig, das Vertrauen wiederzugewinnen, sagte Dr. Hans-Peter Bach, Präsident der IHK Darmstadt. Ehrbar zu handeln, heißt vertrauenswürdig zu sein. Verantwortung und Ehrbarkeit lässt sich allerdings nicht verordnen.

Foto:Jens Steingässer

Wertebewusstes, ehrbares Handeln muss an nachkommende Generationen weitergegeben werden, so der 74-jährige Claus Hipp. Eva Brodehl versicherte, das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ sei längst bei jungen Unternehmern angekommen: „Es gehört zu den Hauptzielen der Wirtschaftsjunioren, ehrbares Unternehmertum zu leben.“ Durch Führungs- und Kommunikationstrainings werden ehrbare Werte transportiert und in der neuen Generation gefestigt. Sie bemängelte allerdings, dass positive Beispiele von verantwortungsbewussten Unternehmen viel zu selten in der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es ist auch nicht immer leicht, ehrbar zu handeln. Die Datron AG nahm zum Beispiel Kurzarbeit in Kauf, anstatt einen Auftrag anzunehmen, Komponenten für afrikanische Tretminen herzustellen.

Foto:Jens Steingässer

Verantwortung müssen alle leben

Unternehmer müssen nicht nur Werte bestimmen, sondern auch selbst leben, lautete das Credo von Arne Brüsch. Mit ihren Erfahrungswerten als Nachhaltigkeitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ergänzte Alexandra Hildebrandt: Kopf und Basis müssen sich auf Augenhöhe befinden. Nachhaltigkeit und Verantwortung muss von allen gelebt werden. Am Beispiel der DFB erläuterte sie, dass nicht alle Landesverbände gleich aufgestellt und in der Lage sind, Vorgaben des Dachverbands sofort wie gewünscht umzusetzen.

Foto:Jens Steingässer

Ähnlich verhält es sich mit dem geplanten Ziel der Europäischen Union, Corporate Social Responsibility (CSR) als Pflicht in den Unternehmen zu verankern. Auf dem Podium herrschte Einigkeit darüber, dass soziale Verantwortung freiwillig ist und nicht reguliert werden kann. „„Allgemeine verbindliche Regeln werden keine Lösung sein“, sagte der frühere Hessische Ministerpräsident Roland Koch. Es herrschen nicht in jedem Land die gleichen Standards. Manche verfügen über gar keine. Die Datron AG habe sich Länder für die Zusammenarbeit ausgesucht, die den Kriterien des Unternehmens entsprechen, sagte Arne Brüsch. Und auch Roland Koch bestätigte, dass Bilfinger SE Standards überprüfe. Ist das nicht der Fall, „arbeiten wir dort nicht mehr.“  Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag lehnt die geplante CSR-Berichtspflicht ebenfalls ab. Doch sei es jetzt an den IHKs, das Leitbild ehrbaren Kaufmanns erneut zu beleben, forderte Anja Kohl am Ende der Diskussion. Und mit Sicherheit ist es auch eine Aufgabe junger Unternehmer und Führungskräfte, den Blick der Öffentlichkeit noch stärker dafür zu schärfen, dass der Großteil der Wirtschaft verantwortungsvoll handelt. Schließlich soll Deutschland auch für künftige Generationen ein attraktives Land sein, in dem es sich gut leben und arbeiten lässt.