Luxuskreuzer und Windkraftanlagen – unglaubliche Dimensionen

Zweitägige Unternehmerreise der Wirtschaftsjunioren Darmstadt zur Meyer Werft nach Papenburg und zur Firma ENERCON GmbH nach Aurich.

Schon mal gesehen, wie Kreuzfahrtschiffe oder Windkrafträder gebaut werden? In echt und nicht in einer Dokumentation? Eine Delegation der Wirtschaftsjunioren hatte Gelegenheit, sich das Ganze live anzuschauen und ist dafür ins Emsland gereist.

WJDa vor Meyer Werft

Bild: WJDarmstadt

Anfang September ging es los. Das Ziel: Papenburg. Das liegt hoch im Norden, auf der Höhe von Bremen, nur weiter westlich. Die WJ Darmstadt hatten aus Südhessen mit den weitesten Weg dorthin. Sie waren übrigens neben WJ Ostfriesland und Papenburg sowie der IHK Emden die Organisatoren dieser Unternehmerreise, an der Wirtschaftsjunioren aus ganz Deutschland teilnahmen. Was für spannende Einblicke sie auf dieser Reise erhalten würden, hatte die Reisegruppe nicht ahnen können.

Schwimmende Kleinstädte

Im idyllischen Papenburg angekommen, ging es direkt zur Meyer Werft. Das traditionsreiche Familienunternehmen baut bereits seit 1795 Schiffe und gilt als Synonym für die Stadt. Was mit relativ überschaubaren Dimensionen und Eisenschiffen mit Dampfmaschinen begann, hat heute riesige Ausmaße erreicht. Die Meyer Werft produziert unter anderem Luxuskreuzer, Fähr- und Containerschiffe.

WJDa Meyer Werft Papenburg

Bild: WJDarmstadt

Das Unternehmen wird in sechster Generation geführt und beschäftigt rund 2.500 Mitarbeiter. Die Baudocks der Meyer Werft zählen zu den größten der Welt. Die luxuriösen Ozeanriesen, die hier entstehen, bieten Platz für bis zu 4.000 Passagiere plus 2.000 Plätze für das Personal. Sie sind mit Bars, Restaurant, Spa- und Wellnessbereichen sowie Sportdecks ausgestattet. Wie eine richtige Kleinstadt verfügen sie über eine Kläranlage, ein Kraftwerk, eine Trinkwasseraufbereitungs- und eine Müllverbrennungsanlage. So weit zu den Fakten. Doch wie entstehen eigentlich diese anspruchsvollen Kreuzfahrtschiffe?

Anders als bei einer Führung für Touristen, die für gewöhnlich nur das Besucherzentrum der Meyer Werft zum Ziel hat, konnten die WJ einen Blick hinter die Kulissen werfen. In einem Vortrag erfuhren sie unter anderem, wie sich die Kreuzfahrtindustrie gliedert und warum sich der Global Player Meyer Werft für diese risikoreiche Branche entschieden hat. Danach ging es mit Helm und Schutzbrille in die Werkhalle, in der die größte und modernste Laserschneideanlage im Einsatz ist. Im weiteren Verlauf werden wie in der Automobilindustrie einzelne, allerdings riesige Module eines Schiffs geschweißt, teils auf den Kopf gestellt, um am Ende wie Legosteine Stück für Stück zu einem kompletten Schiff zusammengesetzt zu werden.

WJDa Meyer Werft Papenburg

Bild: Meyer Werft

Als die WJ vor Ort waren, entstand gerade die „Norwegian Breakaway“. Ihr Heimathafen wird New York sein. Von dort aus bringt sie dann die Passagiere zu den Bermudas, auf die Bahamas und in die Karibik.Noch lag sie aber im Dock in Papenburg und musste noch fertig eingerichtet werden – es fehlte weit mehr als nur die Betten. Außerdem erhielt sie gerade ihre individuelle Ziergrafik am Bug.

Hier geht es zum Fotoalbum der Unternehmerreise: Unternehmerreise 2013

Alte Meyer Werft – heute ein Restaurant

Die „Norwegean Breakaway“ lag bereits im Wasser. Das mit Wänden trennbare Dock war im hinteren Teil trocken gelegt. Dort widmeten sich Arbeiter dem Teilstück des nächsten Schiffes. Echte Fließbandarbeit also. In den benachbarten Werkhallen wurden außerdem gerade ein Forschungsschiff und ein Flusskreuzfahrtschiff gebaut, die in ihren Maßen deutlich kleiner sind.

Wie relativ klein die Schiffe am Anfang der Unternehmensgründung waren, konnten die WJ am Abend erahnen, als es zum Essen in die „Alte Werft“ ging. Das war tatsächlich die alte Meyer Werft und wurde damals mitten in der Stadt Papenburg errichtet. Kreissprecher der WJ Ostfriesland und Papenburg, Christian Brahms, begrüßte seine hungrigen Gäste und entließ sie dann an das üppige, appetitliche Büffet. Die lebhaften Gespräche resümierten natürlich die fantastischen Eindrücke des Tages.

Bild: WJDarmstadt

Bild: WJDarmstadt

Am nächsten Tag stand zunächst der Besuch des modernen Emssperrwerks auf dem Programm. Auf der Ems, vorbei an schmalen Brücken werden die fertig gebauten großen Ozeanriesen der Meyer Werft zum Meer gebracht. Die Brücken müssen dafür zum Teil extra demontiert werden. Mithilfe des Hightech-Sperrwerks wird die Ems aufgestaut, damit Schiffe mit einem Tiefgang bis zu 8,50 Meter den Fluss passieren können. Darüber hinaus schützt es vor Sturmfluten. Auf altbewährte Deiche kann die Region aber dennoch nicht verzichten. Dann ging es weiter nach Aurich zur Enercon GmbH.

Riesige Ringgeneratoren, 60 Meter lange Rotorblätter

Enercon wurde 1984 gegründet und produziert Windenergieanlagen. Sie sind zwar im Umfang nicht ganz so groß wie Kreuzfahrtschiffe, aber auch nicht sehr viel kleiner. In entsprechend geräumigen Hallen werden die Windkrafträder produziert. Die WJ konnten zuschauen, wie große Ringgeneratoren hergestellt werden. Kilometer für Kilometer wird mit Hammer und Manneskraft Kupferdraht verarbeitet – eine schweißtreibende Arbeit, bei der die Besucher schon beim Zusehen ins Schwitzen kamen. In einer anderen Halle wurden bis zu 60 Meter lange Rotorblätter aus Glasfasermatten und Holz verklebt. Enercon hat eine hoch moderne, automatische Lackieranlage, die in der Vergangenheit auch schon von einem namhaften Flugzeughersteller unter die Lupe genommen wurde, um anschließend mit ähnlicher Technik die eigenen Prozesse zu verbessern. Ein fertiges Windrad konnten die WJ auf dem Gelände bestaunen.

Nach dem Besuch bei Enercon blieben die Heimfahrt, viele, neue Eindrücke und Erinnerungen an gute Gespräche. Fazit: Reisen bildet – eine Unternehmerreise bildet Unternehmer. Zweites Fazit: Kreuzfahrtschiffe und Windkrafträder sind einfach riesig. Hier wird in anderen Dimensionen gedacht, sowohl in der Produktion und Logistik als auch im Handel und Vertrieb. Drittes Fazit: Diese Unternehmerreise wurde einem Fördermitglied der WJ Darmstadt, Wolfram Theymann, auf den Weg gebracht. Bei den WJ können sich also auch durchaus alte Wirtschaftshasen engagieren und Projekte wie diese realisieren. Die WJ bieten zahlreiche Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Das Reisen ist sicher die attraktivste Alternative.