Voll verstrahlt!? – Wirtschaftsjunioren zu Gast im Kernkraftwerk Biblis

WJDa Biblis 01Besichtigung des Kernkraftwerkes in Biblis, wann hat man schon die Möglichkeit hinter die dicken Betonwände eines KKWs zu schauen?! Die Produktion von 2.500 Megawatt elektrischer Leistung gehören bekanntlich der Vergangenheit an. Doch wie geht es weiter? Dies und vieles mehr wollten die Wirtschaftsjunioren vom RWE wissen.

Doch erst ein kleiner Rückblick:
– Biblis besitzt 2 Blöcke mit Druckwasserreaktoren
– Zusammen mit einer elektrischen Bruttoleistung von 2500 Megawatt
– Block A ging 1974 ans Netz und kostete damals 800 Millionen DM
– Block B dagegen kostete etwa 1 Milliarde DM und folgte 1976
– Sie produzierten Strom für 6,5 Millionen Haushalte in Deutschland

„Und nun ist alles vorbei“ erklärte uns Herr Scholl, Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit des Kernkraftwerkes bei seinem ca. 2 stündigen Vortrag. So wurden die Blöcke A und B, nach dem Reaktorunfall in Fukushima der sich 2011 ereignete, abgeschaltet. Dies war der Fall bei insgesamt 7 der 17 Atomkraftwerke in Deutschland, darunter eben auch Biblis. Bis Mitte 2022 sollen dann auch die restlichen AKWs vom Netz gehen.

Grundidee des Ganzen ist die Energiewende. Das bedeutet bis 2050 ca. 80% des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen – jedoch nur, wenn bis dahin 25% weniger Strom in Deutschland verbraucht wird, so Herr Scholl.
Doch was genau passiert jetzt mit dem Kernkraft in Biblis?

WJDa Biblis 02Für die Zukunft wird es 2 Betriebsphasen geben: Zum einen eine 5-jährige Nachbetriebsphase, da die Brennelemente des Reaktors in dieser Zeit abkühlen. Außerdem wird die Mitarbeiterzahl nach und nach reduziert. Es wird für den sicheren Betrieb der Systeme gesorgt, zudem wird der Aufbau einer neuen Infrastruktur geplant.
Danach kommt die Restbetriebsphase und der Abbau, dies wird ungefähr 15 Jahre andauern. In dieser Zeit werden die Systeme stillgelegt und die Einrichtungen zurückgebaut, das Innenleben des Reaktordruckbehälters zerlegt, dekontaminiert und entsorgt.
Nach den beiden Phasen folgt dann die Entlassung aus dem Atomgesetz und die Nachnutzung des Geländes – “grüne Wiese oder Ackerfläche“.

Die andere Frage ist natürlich: Was ist mit den Mitarbeitern? Und wie haben sie reagiert als sie von der Abschaltung erfahren haben?
„Mir war schnell klar, dass die Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland nach dem Unfall in Fukushima auch Biblis betreffen würde, da es damals das älteste Kraftwerk war“, so Herr Scholl. Die Stimmung bei den restlichen Mitarbeitern war katastrophal, denn alle waren mitten in den Vorbereitungen für die planmäßige Laufzeitverlängerung. Jedoch hat RWE schnell gute Lösungen für alle Mitarbeiter gefunden.

WJDa Biblis 03Nach dem Vortrag folgte noch ein Rundgang auf dem Kraftwerksgelände, das erst nach strengen Sicherheitskontrollen betreten wurde.
Highlight des Tages war der Transport abgebrannter Brennstäbe im Inneren eines Castor-Behälters vom Reaktorgebäude Block A in das Zwischenlager des Kraftwerkes.

Fazit ist, dass es ein ausgesprochen spannender Tag war und einem Eindrücke geboten wurde die man sonst nicht hätte bekommen können. Zusätzlich ist zu sagen, dass die Besichtigung bei allen Teilnehmern auf eine sehr positive Resonanz traf. Die Wirtschaftsjunioren bedanken sich bei allen Organisatoren, dem Vortragenden und dem Mitarbeiter der die Führung durchgeführt hat.