Wirtschaftsjunioren Darmstadt – Podiumsdiskussion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN zum Thema „Frauen in Führungspositionen“

„Ich bin stolz, keine Quotenfrau zu sein“

Bündnis 90/DIE GRÜNEN diskutieren mit Darmstädter Wirtschaftsjuniorin Susanne Becht über geplante Quotenregelung.

Die Bundesregierung ist nicht gerade begeistert – ebenso wenig einige Unternehmen: Die EU-Kommission hat beschlossen, dass bis 2020 40 Prozent der Aufsichtsratsposten von börsennotierten Unternehmen mit Frauen zu besetzen sind. Und auch SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN machen sich für ein „Gesetz zur Förderung gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern in Führungsgremien (GlTeilhG)“ stark. Die Frauenquote spaltet die Gemüter und wurde zum Anlass einer Podiumsdiskussion der Darmstädter GRÜNEN bei der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar genommen, zu der auch Susanne Becht, Managerin Corporate Development bei der ISRA VISION AG und Darmstädter Wirtschaftsjuniorin, eingeladen war. Sie diskutierte mit den beiden GRÜNE-Frauen Daniela Wagner, Mitglied des Bundestages, und Barbara Akdeniz, Darmstädter Frauendezernentin, über mögliche Lösungsansätze, die Position der Frau im Management zu stärken. Denn gemischt-geschlechtliche Teams arbeiten deutlich besser, so beispielsweise eine Studie von McKinsey. Die Moderation übernahm Dagmar Zeiß, Leiterin der pro familia Beratungsstelle Darmstadt.

Von der Reglementierung über eine starre, gesetzliche Frauenquote hält Susanne Becht nichts. Vielmehr muss aus ihrer Sicht eine bessere Infrastruktur für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschaffen werden – zum Beispiel mithilfe von integrierten Ganztags-Kitas und flexiblen Arbeitszeitmodellen. Auch sei es notwendig, gerade im naturwissenschaftlichen Bereich frühzeitig Anreize für Frauen zu schaffen. Mädchenförderprogramme wie der Girls Day bilden dafür einen ersten Ansatz. „Ich persönlich bin stolz, keine Quotenfrau zu sein“, unterstrich die Wirtschaftsjuristin ihre Ansicht. Denn so wisse sie, dass sie aufgrund der eigenen Leistungen und Qualifikationen überzeugt und akzeptiert wird.

GRÜNEN: Frauenquote für gerechtere Strukturen

Die GRÜNEN machten hingegen deutlich, dass die Quote ein Ausdruck von Hilflosigkeit sei. Statistiken zeigen, dass Frauen mit gleicher oder besserer Qualifikation deutlich seltener bei der Jobvergabe berücksichtigt werden. Sie seien generell nicht so gut vernetzt wie Männer und würden von männlichen Vorgesetzten und Kollegen weniger Raum zur Entfaltung erhalten. Daniela Wagner räumte aber auch ein, dass eine Frau es selbst lernen muss, den nächsten Karriereschritt einzufordern und nicht gezwungen werden kann, Führung zu übernehmen. Das müsse von ihr selbst kommen. Die Frauenquote sei jedoch als Zielformulierung unabdingbar, um gerechtere Strukturen zu schaffen. Die Prozesse für die Rahmenbedingungen würden so beschleunigt, so der einstimmige Tenor der GRÜNEN.

Susanne Becht vertraut dagegen auf das Marktregulativ. „Jedes Unternehmen wird alles dafür tun, um profitabel zu arbeiten“ und sich so bei der Wahl der Bewerber für den besten Kandidaten entscheiden. „Wir verfolgen alle ähnliche Ziele und wollen mehr Frauen, nicht nur im Vorstand und Aufsichtsrat, sondern auch im mittleren Management“, lautete ihr Resümee zum Schluss. Doch forderte sie eine sensible Umsetzung, anstatt eines planwirtschaftsähnlichen Reglements. „Nicht alle Branchen und Unternehmen funktionieren gleich. Man kann nicht einfach allen eine allgemeingültige Regel überstülpen – zumal es zurzeit in manchen Branchen, insbesondere im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich, nicht einmal einen Frauenanteil von zehn Prozent gibt und damit eine Quote auch beim besten Willen nicht greifen kann.“