Einigung im Kleinklein statt Visionen für Darmstadt und Südhessen

Die Freude über den Koalitionsvertrag hält sich bei den Darmstädter Jungunternehmern in Grenzen

Darmstadt, 09.02.2018. Die Wirtschaftsjunioren Darmstadt-Südhessen sind erleichtert, dass nach einem zähen Prozess nun doch eine Regierung zustande kommt.

Leider ist der verhandelte Koalitionsvertrag kein „großer Wurf“. Es fehlen die Visionen für ein zukunftsfähiges und digitales Deutschland. Die Parteien verlieren sich im Kleinklein, ein Signal für die junge Wirtschaft bleibt aus.

Wichtige Zukunftsfragen wie die Gestaltung der Rente werden vertagt. Stattdessen verteilt man Geschenke zu Lasten der jungen Generation mit Maßnahmen, die aus unserer Sicht wenig durchdacht sind. Man gewinnt den Eindruck, am Ende haben sich die Verhandler die Hände gerieben, da die Wirtschaft erneut für die Kosten der Wahlversprechen aufkommen soll. Keine Frage, grundsätzlich teilen wir die Ansicht, dass jedes Unternehmen und jeder Selbstständige seinen Beitrag am Sozial- und Steuersystem zu leisten hat. Doch hätte man erwarten können, dass der aktuelle positive konjunkturelle Lauf gestützt und mit geeigneten Maßnahmen für die Zukunft fit gemacht wird.
Die Wirtschaftsjunioren fragen sich auch, warum nicht mehr in zukunftsorientierte Infrastruktur investiert werden soll und das besondere Augenmerk auf kleine, dynamische Unternehmen ausgeblieben ist? Stattdessen stellen wir besorgt fest: Förderung der old economy in Konzernen und Bürokratie allenthalben. Als Wirtschaftsjunioren Darmstadt-Südhessen fordern wir daher endlich ein Umdenken der Politik und ein Ende der Orientierung an bismarckschen Sichtweisen. Es darf nicht sein, dass der Klein- und Mittelstand, also der klassische Handwerksbetrieb, Dienstleister und Produktionsbetrieb, wie sie gerade in Südhessen an jeder Ecke zu finden sind, weiter eingeschränkt und benachteiligt wird. Diese Unternehmen – das sind immerhin mehr als 80 Prozent der südhessischen Betriebe- bzw. deren Inhaber haben sehr wohl ein Gespür für Soziales und den Umgang mit Ihren Mitarbeitern – jenseits von politischen Vorgaben.

Anstatt also Wahlgeschenke zu verteilen und erneut auf die Falschen einzuschlagen sollte die Politik endlich realistische Anreize setzen, um auch Unternehmensnachfolge und Gründungen im Klein- und Mittelstand zu fördern. Auch wären dringend Änderungen in den Steuerregelungen notwendig. Nicht um Steuern abzuschaffen, sondern um den Weg hin zu einer zeitgemäßen Regelung zu ebnen und altbackene Paragraphen zu aktualisieren. Wir brauchen eine realistische Politik und kein Legislatur-Denken, denn es geht um unsere Zukunft.